Warum kosten Brautkleider so viel? - Unsere Preispolitik

Ist die Preispolitik ein Tabu Thema? Eine Marke zu führen, erfordert heute eine ehrliche und offene Kommunikation. Deshalb sprechen wir offen über unsere Preispolitik, die Produktionsprozesse und unsere soziale Verantwortung.

Preispolitik sollte jeden interessieren, der Kleidung kauft. Denn dank Transparenz erfahren wir, wie die Kostenstruktur eines bestimmten Produkts aussieht und wofür wir beim Kleidungskauf tatsächlich Geld ausgeben. Am Beispiel unserer Marke versuchen wir zu erklären und zu veranschaulichen, wie viel man mit dem Verkauf einer ethisch hergestellten Mode verdient. Es sollte jedoch beachtet werden, dass alles, was wir hier schreiben, sich nur auf unsere Marke bezieht und aus dem von uns geprägten Geschäftsansatz resultiert.

Wofür zahlen wir?

Du fragst dich vielleicht, warum ein Brautkleid so teuer ist. Wir möchten dir zeigen, wie sich der Preis unserer Brautmode zusammensetzt. Um das Ganze besser nachvollziehbar zu machen, schildern wir dir hier die Preispolitik der großen Hersteller, die ihre Ware in Drittländern produzieren lassen.

Der Endpreis des Produktes, der wohl jedem bekannt ist, ergibt sich nicht nur aus der Marktforschung, obwohl er ein wichtiger Faktor bei seiner Bestimmung ist. Der Endpreis des Produkts im Falle unserer Marke wird durch Faktoren beeinflusst wie:

  • Materialpreis, aus dem das Kleid hergestellt wird
  • Arbeitszeit, die benötigt wird, um das Kleid zu schneidern. Und schneidern ist nicht nur nähen, da Schneiderkunst bereits bei der Schnittkonstruktion beginnt
  • Fixkosten, die im Zusammenhang mit der Führung eines Unternehmens entstehen
  • Steuern
  • Die Herstellermarge (Markup), also unser Gewinn

Material - die grundlegende Ressource

Ohne Stoff kein Kleid. Dies ist die grundlegende Ressource, die wir verwenden. Wir arbeiten in dem Segment Slow Fashion und Responsible Fashion, daher kan die Auwahl unserer Stoffe und Materialien nicht dem Zufall überlassen werden.

Wir verwenden hauptsächlich Seide und nach Möglichkeiten nur GOTS-zertifizierte Stoffe. Dadurch ist der Preis verständlicherweise etwas höher, als bei konventionellen Produkten. Aber dafür erhälst du die Garantie über sichere Herkunft und beste Qualität.

Dazu lieben wir Seide und hochwertige Spitze, da diese Stoffe langlebig sind und den Tragekomfort erheblich steigern. Die Kosten der Stoffbeschaffung, d.h. der Preis für die Stoffe aus denen das Kleid genäht wurde, beträgt 20% - 25% des Verkaufspreises.

Arbeitszeit und Arbeitslohn

In unseren Verkaufspreisen wird die Arbeitszeit eingerechnet. Arbeitszeit, die benötigt wird, um einen Schnitt zu erstellen und anzupassen und die Arbeitszeit, die benötigt wird, um das Kleid zu nähen. Oft denkt man nur an das Nähen und überhaupt nicht an den Schnitt. Dabei ist die Schnittkonstruktion eine anspruchsvolle und aufwendige Tätigkeit. Bei uns wird für jede Braut ein Schnitt entweder neu erstellt oder an die individuellen Maße angepasst.

Wir fertigen unsere Kleider in den regionalen Schneidereien und in den Ateliers der Designerinnen und Designer. Der Vorteil des regionalen Herstellung ist zweifellos die Tatsache, dass wir in jeder Phase der Umsetzung die absolute Kontrolle darüber haben, was mit dem Projekt passiert. So können wir auch Prototypen und besondere Modelle für individuelle Kundenaufträge erstellen. Die Lieferzeiten sind von uns und unserer Designer klar definiert und kontrolliert. Die regionale Zusammenarbeit ermöglichst uns eine Anfertigung innerhalb von zwei bis acht Wochen. Auch kurzentschlossene Bräute sind daher bei uns bestens aufgehoben. ;-)

Menschen, die für eine Marke wie unsere arbeiten, müssen erweiterte Kenntnisse über die Schnittkonstruktion von Kleidung haben, wahre Meiser der Schneiderkunst und ihres Faches sein und präzise arbeiten können. Diese hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen natürlich mit einem entsprechend gerechten Stundenlohn bezahlt werden. Der prozentuale Anteil am Gesamtpreis eines Kleides, der auf die von einem Mitarbeiter geleistete Arbeit zurückzuführen ist, liegt bei etwa 25% - 30%.

Steuern

Steuern müssen bezahlt werden - dazu sind wir gesetzlich verpflichtet und darüber gibt es nichts zu diskutieren. Und hier ist nicht nur die Rede von der Umsatzsteuer in Höhe von 19%. Auch andere Steuersätze, wie z.B. die Gewerbesteuer oder die Einkommenssteuer müssen entrichtet werden. Natürlich beeinflussen die Steuern auch unseren Preis. Denn insgesamt geben wir ca. 30% des Verkaufspreises an das Finanzamt weiter.

Marge

Am Ende steht die Marge, also der reine Gewinn, der dem Unternehmer die Möglichkeit gibt, Geld für Entwicklung und Investitionen auszugeben und eventuell auch für private Zwecke einzusetzen.

Würde sich ein Unternehmen nicht weiter entwickeln, würde es in kürzeste Zeit schließen müsen. Deshalb sind die Investitionen ein sehr wichtiger Punkt. Die Höhe der Kosten und der Investitionsbedarf variieren von Monat zu Monat. Daher können wir diesen Prozentsatz des Produktpreises nicht in die Fixkosten des Unternehmens einrechnen. Zusätzlich kann ein Teil dieses Geldes für soziale Aktivitäten (Stiftungen, Werkstätten, Spenden etc.) verwendet werden. Als solidarisch und sozial eingestelltes Unternehmen engagieren wir uns auch hier gerne und regelmäßig!

Das Geld, das wir "verdienen", beträgt etwa 15% - 20% des Produktpreises im Geschäft. Dabei wird die Marge vom Hersteller auf der Grundlage der Marktpreise festgelegt. Je niedriger die oben genannten Kosten sind, desto größer ist der Gewinn für die Eigentümer des Unternehmens.

Unterschiedliche Produkte enthalten eine entsprechend unterschiedliche Marge. Es ist unmöglich, ein T-Shirt, das in einigen Minuten genäht wird, mit einem Brautkleid zu vergleichen, das in der Herstellung viel aufwendiger ist und viel Fachwissen und mehr Materialverbrauch erfordert.

Fixkosten

Ein ordnungsgemäß geführtes Unternehmen bringt Gewinne und Arbeitsplätze. Aber jedes Unternehmen hat auch Fixkosten: Miete von Räumlichkeiten, Strom, Wasser, Buchhaltung, Internetseite, verschiedene Versicherungen und natürlich auch Kaffee ;)... Im Allgemeinen alles, wofür auch du einmal im Monat Geld ausgeben musst. Denn ohne diese Ausgaben kann ein Unternehmen nicht effektiv und legal arbeiten. Der Anteil dieser Kosten wird aus unserer Marge bezahlt.

Um das Ganze besser zu veranschaulichen, vergleiche ich die Zusammensetzung der Kosten unserer Kleider mit den Kleidern, die in Drittländern produziert werden. Die Werte basieren auf der Erfahrung, die ich bis jetzt sammeln konnte sowie den Angeboten, die ich massenweise von den Herstellern bekomme:

COSMOPOLKA KLEIDER HERKÖMLICHE KLEIDER
Was steck drinn? COSMOPOLKA KLEIDER HERKÖMLICHE KLEIDER
Stoffe 25 % - 30% 5%
Löhne 25% - 30% 5%
Steuer 30% 30%
Marge 20% 45%
Zwischenliferanten / Zölle 0% 15%

Wir haben die Karten offen gelegt

Wir möchten mit euch klar kommuniziern und bieten euch daher einen Einblick in unsere Preispolitik. Unsere Produktionsprozesse und die soziale Verantwortung unserer Marke, beschreiben wir uch in weiteren Artikeln.

Ihr kennt jetzt die Höhe unserer Marge und unseren Gewinn. Das sind je na Kleid ca. 15% – 20% des Verkaufspreises. Zu entscheiden, ob das viel oder wenig ist, muss jede Kundin und jede Braut für sich entscheiden. In diesem Zusammenhang haben wir noch eine kleine Rätselaufgabe für euch:


Wie viele Kleider wir monatlich verkaufen müssen, um unsere monatlichen Betriebskosten wie Miete, Nebenkosten, Buchhaltung, Steuerberater, Betriebs- und Krankenversicherung, Marketing und Telefon decken zu können? Wenn du das Ergebnis richtig errätst, bekommst du von uns eine kleine Aufmerksamkeit als Dankeschön fürs Mitmachen!

Jetzt Antworten und gewinnen!

Was bietet der Markt?

Der Markt ist bunt. Es wird immer jemanden geben, der billiger oder teurer seine Produkte anbietet. Denke aber daran, dass der hohe Preis nicht immer aus der großartigen Qualität des Produkts resultiert.

Wenn wir die Phänomene auf dem Modemarkt beobachten und uns dafür interessieren, wie Kleidung hergestellt wird, können wir feststellen, dass viele Marken ausgefallene Strategien oder aktuelle visuelle Idee verwenden, um die Preise ihrer Produkte zu erhöhen und geschickt Nachfrage für sie zu schaffen.

Das einfachste Beispiel sind die beliebten Sweatshirts und T-Shirts mit modischen Grafiken, die dem aktuellen Trend entsprechen und mit relativ billiger Technologie hergestellt werden. Viele dieser Marken, die angeblich auf Individualität und Einzigartikeite Ihrer Kundinnen und Kunden setzen, werden von den gleichen Fabriken aus Asien beliefert und nutzen dort die gleichen Produktionslinien.

Mit Kleiderdesign hat das nicht viel zu tun, denn dahinter steht der Hersteller, der alles aus einer Hand bietet. Ist das falsch? Nicht unbedingt. Dies ist einfach nur die Entscheidung des Herstellers einer solchen Marke und des von ihm gewählten Geschäftsmodells. Solange wir nach Fast Fashion streben, solange wird es diese Marken und die von ihnen angebotene Kleidung geben.

Ich kann am Ende nur hinzufügen, dass es sich lohnt, beim Hersteller nachzufragen, wo er die Kleidung entwerfen und nähen lässt. Nur so können wir mit einem guten Gewissen einkaufen und mit Stolz unsere Kleidung tragen.


© COSMOPOLKA